Ehrlich gesagt lässt mich der jüngste ZAT ein wenig ratlos zurück. 15 Gegentore in 3 Spielen. Davon 10 zu Hause. Vorbei der Traum von der Meisterschaft. Klar bin ich immer noch in Reichweite, zumindest theoretisch. Aber so kann das doch schlicht nichts werden. Im Grunde war ich bis vor diesem ZAT der Meinung, eine meiner besten Saisons hier bei Torrausch zu spielen, zumindest was die Liga angeht. Oder zumindest die beste seit langem …
Doch das ist jetzt vermutlich Essig. Warum? Tja, auch da bin ich gerade etwas ratlos. Denn ich hatte die Attacken ja geahnt. Aber gleich zweimal? Und dann auch noch eine 6? Klar, es ist England. Und ich hab selbst auch schon zu diesem Mittel gegriffen, allerdings nicht so früh in der Saison, sondern erst, wenn wir uns die Tore eh gegenseitig nur so um die Ohren ballern. Bis zur Mitte der Rückrunde ist eine A6 in meinen Augen ziemlich fies, weil sie dem Gegner keine (oder nur eine minimale) Chance gibt. Zulässig, aber fies. Eine Heimniederlage kann passieren - aber ich kann mit einem 3:4 deutlich besser leben, weil da hab ich selbst einen Fehler gemacht. Bei einem 5:6 eigentlich nicht. Zumal meine Gegnerin jetzt TK-mäßig auch noch etwas auf dem Zahnfleisch geht. Auch das Argument, es sei ihr darum gegangen, gezielt einen Hauptgegner im Kampf um irgendetwas auszuschalten, zieht nicht. So eng wie die englische Liga ist, gibts davon 10. Mindestens. Die kannst du allesamt nicht mal ansatzweise auf Distanz halten, zumindest noch nicht am 9.ZAT.
Aber „nur“ um dieses 5:6 gehts mir im Grunde gar nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass sich hier eine Eigendynamik entwickelt hat, die ich nicht mehr gut heißen kann. Also dass einige regelmäßige die Hucke voll bekommen und andere durchgewunken werden. Beispiel: In dieser Saison gelang es bisher 5x, einen Gegner mit mindestens 4 Auswärtstoren zu besiegen - 2x Blackburn, je 1x Sheffield, Bradford und WBA. Aber hat das andere abgeschreckt? Wohl eher nicht, wenn ich so in der Heimtabelle auf die Anzahl der Gegentore schaue. Da scheinen andere Faktoren wichtiger zu sein. Welche erschließt sich mir aber nicht, oder zumindest nicht anhand der Saisonstatistiken. Damit wie stark die Heimspiele abgesichert werden, hat es eher nur eingeschränkt zu tun. Mit Glück aber auch kaum, denn dann dürften ja nicht jede Saison dieselben „geschont“ werden. Eher mit sowas wie dem „Ruf“, den man sich hier aufgebaut hat. Naja …
Doch warum sind die Gegentore überhaupt wichtig? Hier unterscheiden sich die Tore auswärts und zu Hause. Auswärts tun sie weniger weh: Ob man nun 0:1 oder 0:7 verliert, ist egal. Das hat weder eine Auswirkung auf den Punktestand noch aufs TK. Direkt versaut wird „nur“ das TV (weshalb Ich übrigens schon seit Jahren dafür plädiere, dass bei Punktgleichheit der Club mit dem schlechteren TV vorn stehen müsste). Indirekt hat das aber noch andere Auswirkungen: Investiert man doch Tore, ist das TK in den Sand gesetzt. Und - noch wesentlicher: Es fehlen schlicht die Möglichkeiten, auswärts zu punkten. Auch hier wieder Beispiel Blackburn: Bisher hab ich in gerade mal drei Auswärtsspielen eine Angriffs-Chance verpasst (also der Gegner mit weniger als 4 Heimtoren gegen mich gewonnen). Bei allen anderen momentanen Spitzenteams waren das zwischen 6 und 8 Spiele. D.h. die statistische Chance, mit einer Auswärts-Attacke einen Sieg zu treffen, ist deutlich besser.
Doch so richtig eklig sind Gegentore zu Hause. Die treffen Punkte UND TK! Erstens weil man (nur so) Heimpunkte verlieren kann - und die sind halt erheblich billiger als Auswärtspunkte. Passiert das, muss man also sehr viel riskieren, um es wieder auszugleichen. Bzw auswärts was riskieren. Nun kann keiner davon „ausgehen“, alle Heimspiele zu gewinnen. Aber die Wahrscheinlichkeit einer weißen Weste (bzw. auf möglichst viele „billige“ Heimpunkte) sinkt mit jedem Gegentor. Dazu kommt noch ein weiterer, unangenehmer Effekt: Denn quasi jedes Gegentor zu Hause kostet TK. Nämlich die 0,2 Tordifferenz-Bonus. Auch so eine Regel, die wir seit Jahren haben, und die sich mir noch nie so richtig erschlossen hat. Angenommen ein Team bekommt insgesamt 4 Gegentore in 15 Spielen, ein anderes 16. Dann fehlen dem 2.Team satte 12*0,2 TK=2,4 TK. Klingt vielleicht nicht viel, ist aber der Gegenwert der Zeitungsartikel einer halben Saison. Oder der Gegenwert einer halben Auswärtsattacke mit 4 Toren. Drittens „traut“ sich ein Trainer, der viele Gegentore zu Hause fängt, irgendwann gar nicht mehr auf Risiko zu spielen. Geht zumindest mir so, es dürfte aber ein normaler psychologischer Effekt sein. Sprich: Man investiert mehr TK zu Hause als die schlimmsten Heimbomber - aber leider, ohne von deren „schlechten Ruf“ zu profitieren. Und letztlich vermiesen natürlich auch die Heim-Gegentore ins TV, was bei Punktgleichheit eklig wird.
Kurzum: Ich will gar nicht behaupten, dass ich jetzt unbedingt Meister werden müsste. Da gibt es sicher andere Favoriten. So hervorragend war meine Saison bisher bei genauerer Betrachtung gar nicht. Zudem ist in England ja auch alles extrem knapp. Aber wenn dann am Ende ein Spieler die Meisterschaft holt, der zu Hause vor dem letzten ZAT eine weiße Weste hat, weil er vielleicht insgesamt nur 5 oder 6 Gegentore bekommen hat. Dazu auswärts vielleicht zwei Spiele oder so gewonnen, mit 6 Toren und/oder bei der KI. Plus einen günstigen Spielplan am letzten ZAT … sowas halte ich für durchaus wahrscheinlich, weil das haben wir ja zuletzt (leider) häufiger hier erlebt. Nur das hat für mich leider nur noch sehr eingeschränkt etwas mit „verdient“ zu tun. Eher mit Glück und/oder Schonung.
Bedeutet: Vielleicht ist es dann mal wieder Zeit, meine Koffer zu packen. Das war ja beim letzten Mal auch der Grund, dass man mir Dinger eingeschenkt hatte mit dem Hinweis „Der hat schon so viel gewonnen, dem tut‘s nicht weh, der kann’s vertragen“. Ich weiß noch nicht wohin, und ob ich’s tatsächlich mache. Weil so riesig ist die Auswahl an vernünftigen Ligen hier ja leider nicht mehr - also welche ohne bzw. wenigen KIs und durchgehend guten Spielern, die also wissen, wie das Spiel funktioniert und zumindest noch halbwegs engagiert bei der Sache sind.
PS: Ich weiß jetzt schon, dass mich die Betriebsaufsicht für diesen Artikel wieder in der Luft zerreißen wird. Von wegen mimosenhaft und ich-bezogen und so. Vielleicht hat er damit sogar recht. Aber so bin ich halt. Sorry.
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